Auf den Spuren von Agostino Steffani, Alessandro Melani, Antonio Sartorio und Antonio Lotti – Konzert in BOLOGNA

So, 22. Mär 2026 – 20:00 Uhr

Konzertreise der Capella St. Crucis nach Italien


Die Jahre zwischen 1665 und 1714 (dem Jahr, in dem Kurfürstin Sophie starb und in welchem ihr Sohn Kurfürst Georg Ludwig als George I. den englischen Thron bestieg) können als kulturelle und musikalische Glanzzeit Hannovers bezeichnet werden.


So erklang unter dem konvertierten Herzog Johann Friedrich (regierte von 1665-1679) in den Gottesdiensten der Hofkapelle im Leineschloss das Beste und Hochrangigste, was Italien an lateinischer Kirchenmusik zu jener Zeit zu bieten hatte. Der aus Venedig stammende Hofkapellmeister des Herzogs, Antonio Sartorio (1630-1681), später Vizekapellmeister an San Marco (Venedig), besorgte die Musikalien und zum Teil auch die Sänger aus Italien. Die erhaltenen Reste des aufgeführten kirchenmusikalischen Repertoires dokumentieren das hohe kompositorische Niveau dieser Musikpflege.


Der ab 1680 herrschende protestantische Herzog (und spätere Kurfürst) Ernst August (gestorben 1698) gestaltete die Hofmusik um und gab ihr eine französische Prägung nach dem Vorbild des „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV.. Zur zentralen Figur in den Regierungsjahren von Kurfürst Ernst August wurde der aus Venetien stammende Komponist Agostino Steffani (1654-1728).


Das Welfenhaus verbrachte, wie viele andere Adelsfamilien auch, viele Monate im Jahr in Venedig und engagierte zahlreiche Künstler und Musiker aus der Lagunenstadt nach Hannover. Einige Künstler und Musiker teilten ihr Leben auf die beiden Städte auf, so auch die Familie von Antonio Sartorio und wohl auch die von Matteo Lotti, dessen Sohn, der spätere Komponist Antonio Lotti (1667-1740), der anders als seine Geschwister in Venedig geboren wurde und dort auch, zumeist fern von den sich in Hannover aufhaltenden Eltern aufwuchs. Matteo Lotti war immerhin bis 1679 Hofmusiker in Hannover, da war Antonio bereits 12 Jahre alt. Antonio wird also viel von Hannover in Venedig gehört haben.


Neben Venedig war Rom die wichtigste und reichste Musikmetropole, zumal in der Stadt viele Adelsfamilien residierten, die private Orchester und Kapellmeister finanzierten. Daneben waren es unzählige Kirchen, häufig unter dem Patronat einzelner Staaten oder Adelsfamilien, die Musikkapellen unterhielten und regelmäßig auch neue geistliche Kompositionen beauftragten. Alessandro Melani (1639-1703) war als Kapellmeister an San Luigi dei Francesi an einer dieser finanziell gut ausgestatteten Nationalkirchen in Rom beschäftigt. Er war aber nicht nur Komponist, sondern – wie Steffani, mit dem er bekannt war – auch als Kulturagent tätig. Noch ist nicht bekannt, wie der Kontakt zum Welfenhaus entstand, aber wir wissen heute, dass Melani nicht nur einen ausführlichen Briefwechsel mit Leibniz pflegte, sondern auch über mehrere Jahre regelmäßig Berichte aus Rom nach Hannover schickte und beim Besuch der jungen Welfenprinzen in Rom (in 1689, dem Jahr der Eröffnung des Opernhauses in Hannover) diese sogar in seinem Haus logierten.


Auf der Chorreise der Capella St. Crucis Hannover im Frühjahr 2026 soll auf den Spuren dieser für die Musik- und Kulturgeschichte Hannovers der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts so bedeutenden Komponisten gewandelt werden und somit diese zum Teil in Vergessenheit geratene Verbindung zwischen Hannover und Italien wieder ins Bewusstsein gebracht werden.


Ausführende:
Capella St. Crucis, Hannover


Leitung:
Florian Lohmann
Maria Ravvina


Gefördert durch das Goethe-Institut
GoetheInstitut


Repertoire:

Bach, Johann Sebastian: Jesu, meine Freude, BWV 227
Lassus, Orlando: Beatus homo cui donatum est
Lotti, Antonio: Crucifixus a 10; Crucifixus a 8
Sartorio, Antonio: De profundis; Levavi oculos meos
Schütz, Heinrich: O dolcezze amarissime; O Primavera
Steffani, Agostino: Beatus vir; Stabat Mater; Triduanas a Domino

Capella St. Crucis Hannover e. V.
Mehrfach ausgezeichneter Chor mit rund 70 Musikstudierenden und chorerfahrenen qualifizierten Laien.
kontakt@capella-st-crucis.de

Die Capella St. Crucis wird gefördert durch

DrGiesing
GoetheInstitut
 
 

Die Capella St. Crucis ist Mitglied im

niedersaechsischer chor verband
VDKC